Über uns
Ofenbauer Stefan Dehn, BJ 1958, Sachverständiger für transportable
und historische Feuerstätten
Das Leiseler Ofenhaus existiert seit 1980
Es hat sich zur bundesweiten Anlaufstelle für echte Feuerliebhaber entwickelt, da konsequent nur solche Feuerstätten vertrieben werden - historische wie neue -, die man als "Klassiker" bezeichnen kann.
Ein Ofenklassiker laut unserer Definition ist ein Ofen, der mindestens 30 Jahre Lebensdauer hat, jederzeit reparabel ist und den höchsten Umweltanforderungen entspricht.
Unsere Produkte:
fest installierte und transportable Grundöfen; Backöfen; Kochherde; Specksteinöfen; gusseiserne Kaminöfen; offene Kamine und Feuerstellen, historisch und neu
Unsere Leistungen:
Instandsetzung, Reparatur, Ersatzteilservice, Ofenzubehör-Online-Versand und Ofenbörse
Von Links nach rechts: Jürgen Wolf, Hartmut Conrad, Bettina Loos, Bianca Conrad, Heike Hub, Nicole Muthweiler, Stefan Dehn
Der Herr der Wärme
Artikel aus "Liebes Land" Heft 12/2008
Stefan Dehn baut und restauriert Holzbrand-Öfen, deren Technik 100 Jahre alt ist. Aber die schlagen mit ihrer Sparsamkeit und wohligen Wärme fast alle Konkurrenten.
Die Objekte seiner Leidenschaft sind alt, haben den einen oder anderen Sprung und können nicht immer die Klappe halten: Stefan Dehn sammelt, restauriert und modernisiert alte Öfen, so dass sie mit Holz geheizt werden können. Über 250 der begehrten Sammlerstücke lagern in Dehns Fachwerkhaus im idyllischen 600-Einwohner-Ort Leisel nahe Idar-Oberstein. Da stehen winzige gusseiserne Öfen, solide Specksteinöfen und altersschwache Herde. Der Chef, 53, holt sie aus Abbruchhäusern, jagt Tipps von Bekannten hinterher, bekommt auch mal Kisten mit Ersatzteilen, halben oder ganzen Öfen von Fremden. Man weiß nie, was in ihnen ist.“ Bis zu 100 Stunden braucht Dehn mit seinen sechs Mitarbeitern für die Instandsetzung eines alten Ofens. Sie kleiden die Brennkammer mit neuen Schamottsteinen aus, fügen Kacheln ein, entrosten und schmirgeln. Ihr Ziel ist nicht ein nostalgisches Ausstellungsstück, sondern ein Ofen, der funktioniert. Wir bauen Klassiker“, sagt Dehn und schiebt, noch bevor der Zuhörer sich wundert, sofort nach: Klassiker sind für mich Öfen, die mindestens eine Lebensdauer von 30 Jahren haben, jederzeit repariert werden können und den höchsten Umweltanforderungen entsprechen.“
Dass uralte Öfen modernen ökologischen Standards gerecht werden, klingt nach schwarzer Magie. Aber der Mann ist weder Zauberer noch Nostalgiker. Er liebt die Öfen, nicht weil sich auf ihnen der Staub der Jahrzehnte absetzte, sondern weil sie beim Verbrennen kaum Staub produzieren. Bestes Beispiel: der Schweizer Kachelofen. Öfen dieses Typs stehen dicht an dicht in der Werkstatt, auf dem Hausboden und in den Nebenräumen. Die Kacheln sind mal schlicht kobaltblau, mal bunt bemalt oder mit Ornamenten verziert. Das Prinzip dieser Öfen ist über 100 Jahre alt – der erste Schweizer Kachelofen wurde 1890 von einem Ofenbauer im schweizerischen Sursee gefertigt – aber heute noch perfekt. Es gibt kein Hightech-Gerät, das besser heizt.“
Perfekt heißt für Dehn: praktisch und ökologisch. Im Gegensatz zu herkömmlichen Öfen sind Schweizer Kachelöfen ausgesprochen sparsam, sowohl im Verbrauch von Brennmaterial als auch im Ausstoß von Feinstaub. Das liegt an ihrer einfachen, aber effektiven Konstruktion: Wie alle Speicheröfen punkten Schweizer Kachelöfen mit ihrem hohen Gewicht (350 bis 400 Kilo). Es dient als Speichermasse für die Wärme. Im Verhältnis zur Masse ist die Brennkammer winzig, so dass eine kleine Holzmenge mit extrem hoher Temperatur (500 bis 800 Grad) verheizt werden kann. Weil die Wärme in den Raum und nicht in den Schornstein soll, muss die Flamme innerhalb des Ofens einen langen Weg zurücklegen, so dass Dehn lächelnd sagen kann: Wir heizen nicht mit Holz, sondern mit Rauch.“ Das ist geschickt, denn dabei kühlt die Flamme ab, die Energie wandert in den Stein. Die Kachelhohlräume der Öfen sind mit gewöhnlichen Flusskieseln gefüllt. Vom Stein wird die Energie kontinuierlich stundenlang an die Umgebung ausgestrahlt und wiederum in den Wänden und im Fußboden des Raumes gespeichert. Ein mit wenigen Holzscheiten beheiztes 50-Quadratmeter-Zimmer braucht mindestens einen Tag, bis es ausgekühlt ist“, sagt Dehn. Mit anderen Worten: Das Feuer brennt eineinhalb Stunden, sechs Stunden strahlt die Wärme ab, nochmals zwölf Stunden hält sie sich im Raum.“
Diese schlichte, aber geniale Konstruktion hat weitere Vorteile: Bei der Holzverbrennung wird die Umwelt nicht wie beim Verbrennen von Erdöl und –gas mit Kohlendioxyd belastet. Feuerholz fällt bei der Pflege des heimatlichen Waldes genügend an, die Transportkosten für Holz aus dem Nachbarwald sind geringer als für Heizöl aus den Arabischen Emiraten. Nebenbei sind diese Öfen vor allem eines: gemütlich. Wände und Fußböden fühlen sich warm an. Derart geheizte Räume sind nie fußkalt sind, die Wände fungieren nicht als Kältebrücken. Was so theoretisch klingt, ergibt in der Praxis ein wohliges Wärmegefühl, das den an Zentralheizungen gewöhnten Hausbesitzer verzückt. Allerdings hat dieses Entzücken seinen Preis: Zwischen 800 und 6000 Euro kostet ein komplett restaurierter Schweizer Kachelofen. Dafür liefert Dehn nicht nur den Ofen, sondern baut ihn auch nach vorheriger Beratung des Kunden ein.
Als Pragmatiker scheut er sich auch nicht, alte Technik in moderne Öfen einzubauen. So rüstet er fest installierte Grundöfen nach (siehe Kasten Seite 133), modernisiert gusseiserne Öfen und Küchenherde. Selbst offene Kamine – schön anzusehen, aber wärmetechnisch eine Katastrophe“ – werden dank seiner Umbauten mit durchsichtiger Klappe und einem kleinen Brennraum effizient und ökologisch. Dehn bekommt Anfragen aus ganz Deutschland, als Sachverständiger für transportable und historische Feuerstätten“ hat er die Hände nicht nur im Ruß, sondern auch am Computer. Er schreibt Gutachten, gibt Umbauempfehlungen und berät. Ins Schwitzen kommt der Ofenbauer bei aller Arbeit nicht: Wir sind ein entschleunigter Betrieb“, meint er grinsend, ich sage meinen Leuten immer: Arbeitet langsam!“
Wenn der Herr der Öfen neue Modelle baut, bestehen die meistens aus einer Mischung von altem Material und modernen Mitteln. Aus dem Rauchsammler einer alten Dampflokomotive und der Jugendstil- Backofentür einer Saarbrücker Gärtnerei entstand zum Beispiel eine Gewächshausheizung für eine Bäckerei. Andererseits verbaut Dehn hochentwickelte Schamottsteine mit gutem Wärmespeicher auch in historischen Öfen. Aus der Schweiz kommen nicht nur die alten Kachelöfen, sondern auch der hochmoderne Speicherofen Topolino“ der Manufaktur Tonwerke Lausen“. Ihn verkauft Dehn ebenso wie die Specksteinöfen des finnischen Herstellers NunnaUuni. Selbst entwickelt ist ein tragbarer, mit Holz zu heizender Feuer-Wok für den Garten, über den sich nicht nur die Besitzer, sondern auch die Nachbarn freuen dürften: Mit Holz geheizt, stinkt der Grill nicht mehr. Die Leidenschaft für die Holzfeuerung packte Stefan Dehn, als er gerade mal 21 Jahre alt war. Damals hatte der gelernte Übersetzer und Dolmetscher soeben das abbruchreife Bauernhaus in Leisel bezogen. Die Familie restaurierte das Gebäude, aber als der der Winter kam, froren sie erbärmlich. Ein Versuch, das Haus mittels einer Zentralheizung zu wärmen, scheiterte. Die Brennkammer war von Wasser umgeben – darin friert ein Holzfeuer“.
Durch Zufall entdeckten der Hausherr und ein Freund in einem Luzerner Abbruchhaus fünf Schweizer Kachelöfen, die sie retteten, nach Leisel schafften und einbauten. Nach dem ersten Befeuern waren er und seine Familie platt vor Staunen über die angenehme Wärme. Damals fertigte er ein Schild, dass heute noch in seiner Werkstatt steht: Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch gezähmt bewacht.“ Dem ist auch Jahre später nichts hinzuzufügen.
Lars Herde
